Wie wird die Borderline-Störung behandelt?

Der erste Schritt zur Behandlung ist, wie immer, zunächst Diagnostik und umfassende Aufklärung über die Störung. Die meisten Betroffenen reagieren darauf sehr erleichtert. Derzeit wurden 4 störungsspezifische Therapie-Verfahren entwickelt und evaluiert. Die bekannteste, und wissenschaftlich am besten abgesicherte Methode ist die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) nach M. Linehan. Insbesondere im stationären Bereich, bei Jugendlichen, und in der Forensik ist dieses Verfahren auch das einzige, für das kontrolliert randomisierte Studien vorliegen. Daneben wurden von Bateman und Fonagy die „Mentalization Based Therapy“, sowie von J. Young die „Schema-orientierte Therapie“ entwickelt. Für beide Verfahren liegen erste Studienergebnisse vor. Die Wirksamkeit der von O. Kernberg entwickelten „Übertragungsfokussierten Therapie“ hingegen ist noch nicht belegt.

Patienten und Angehörige sollten sich dringend bemühen, so früh als irgend möglich, in den Genuss einer störungsspezifischen Therapie zu gelangen. Alle anderen Therapien bergen ein nicht unerhebliches Risiko, eher zur Chronifizierung beizutragen. Patienten, die zusätzlich unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PBS) schweren Essstörungen oder Drogen und Alkoholabhängigkeit leiden, sollten sich einer stationären Spezialbehandlung unterziehen. Auf der Web-Site des Dachverbandes DBT können die Behandlungsmöglichkeiten eingesehen werden (www.dachverband-dbt.de)

Ganz wichtig!
Der erste, und wohl schwierigste Schritt ist, die Störung rechtzeitig zu erkennen und sich um eine adäquate Therapie zu kümmern. Jugendliche, oder junge Erwachsene, die sich regelhaft selbst verletzen, um dadurch intensive unangenehme Gefühle zu blockieren, die zudem das Gefühl tief greifender Einsamkeit und Fremdheit haben, sollten sich dringend therapeutische Hilfe suchen. Der zweite Schritt ist, sich zu vergegenwärtigen, dass Drogen, Alkohol, Selbstverletzungen, Essstörungen und Suizidversuche die Symptomatik nur verschlechtern. Es gibt sehr hilfreiche Borderline-Selbsthilfe-Beratungen (/www.borderline-netzwerk.info; www.borderlinetrialog.de;), von sog. Suizidforen ist aber dringend abzuraten! Der dritte Schritt ist die kooperative Arbeit in der Therapie: Offenheit, der Mut Krisen auszuhalten, stationäre Aufenthalte nur in Absprache mit dem Therapeuten einzugehen und darauf zu verzichten, vielfältige Hilfsangebote bei verschiedenen Beratern, Sozialarbeitern, Therapeuten, die dann nichts voneinander wissen, in Anspruch zu nehmen. Immer aber sollte man versuchen, die Verantwortung für sein eigenes Leben und auch für eine erfolgreiche Therapie in die Hand zu nehmen, und möglichst wenig an das psychiatrische Versorgungssystem zu deligieren.

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung den Seiten der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftliche Therapie Freiburg entnommen.
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