Borderline Trialog Kassel e. V.

 

„Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort, dort begegnen wir uns"                 


„Es gehört zu unseren Möglichkeiten, an uns zu zweifeln und dabei auch zu verzweifeln, über uns hinaus zu denken und uns dabei auch zu verlieren. Dauert dieser Zustand an, sprechen wir von einem psychisch kranken Menschen. Dieser Mensch ist bei der Lösung seiner Lebensprobleme in eine Sackgasse geraten. Diese Sackgasse nennen wir Krankheit, Kränkung, Störung, Leiden oder Abweichung. Sie sind grundsätzlich allgemein menschliche Möglichkeiten; d. h., sie sind für uns alle unter bestimmten Bedingungen Ausdrucksform der Situation ‚So geht es nicht weiter‘: Daher sind sie grundsätzlich uns allen innerlich zugänglich.“ (Prof. Dr. Thomas Bock u. Prof. Dr. med. Klaus Dörner, 1997)

„Menschlich aber bedeutet die Feststellung des Wesens eines Menschen eine Erledigung, die bei näherer Besinnung beleidigend ist und die Kommunikation abbricht.“ [Karl Jaspers, 1913, Psychologe und Philosoph (1883-1969)]

Ein Impuls für die, die Diagnosen stellen. Sei dir bewusst, sieh, was du tust, wenn Du Persönlichkeiten klassifizierst und feststellst, Du maßt Dir etwas an, was letztlich nicht geht und die Kommunikation abbricht.

Wie ist Trialog gedacht:
Im Trialog begegnen sich Borderline-Erfahrene, Angehörige und professionelle Helfer jenseits festgelegter Rollen und definierter Abhängigkeiten auf neutralem Boden und auf Augenhöhe. Soziale Distanzen werden reduziert, das Anderssein von Menschen und die Verschiedenheit von Lebensentwürfen werden anerkannt und Sensibilität im Umgang mit sich selbst wird gefördert. Da der Trialog zudem weder unter Lösungs- noch unter Leistungsdruck steht, öffnet er einen zeitlich begrenzten Raum für echte zwischen-menschliche Begegnungen. So werden Handlungsmuster für einen gelingenden Beziehungsaufbau quasi unter Laborbedingungen erlebbar. Da die unterschiedlichen Positionen sich nicht rechtfertigen müssen, können sie gegenseitig angstfrei dargestellt und aufgenommen werden. Wenn fremde Positionen die eigenen nicht verdrängen wollen, können sie zum Impuls werden, das eigene Menschenbild und Krankheitsverständnis weiterzuentwickeln.

Sich auf Augenhöhe als ernst zu nehmende Menschen, als Experten in eigener Sache und als Experten durch Ausbildung und Beruf zu begegnen, bedeutet nicht, die Hilfsbedürftigkeit des Erkrankten, die Arbeitsdichte der Professionellen oder die Verzweiflung der Angehörigen zu leugnen. Je mehr es uns jedoch gelingt, die wechselseitigen Vorurteile aufzuarbeiten, desto eher wachsen auch die Chancen, die öffentlichen Zerrbilder zu verändern. Diese Antistigma-Arbeit leistet der Trialog über viele Ebenen: Treffen, Vernetzungen, Öffentlichkeitsarbeit … Der Trialog will eine wertschätzende Handlungskultur leben, in der alle Beteiligten bereit sind, einen Perspektivwechsel vorzunehmen und einen offenen Diskurs zu führen. 

„Ich glaube daran dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung.“ [Virginia Satir (1916-1988), Pionierin der Familientherapie]

In diesem Sinne heißen wir alle Menschen bei uns willkommen.
Gruppenbegleitung: Bärbel Jung, Vorsitzende des Borderline Trialog Kassel e.V.

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