Borderline Station in Merxhausen

Leben mit Extremen
18.03.2009

Hofgeismar/Merxhausen. Die Symptomatik einer Borderline-Störung ist diffus, das Therapieangebot in Nordhessen gleich null. Jetzt soll ein Netzwerk von Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten Abhilfe schaffen. Im Juli wird in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bad Emstal/Merxhausen anlässlich einer wissenschaftlichen Tagung der Grundstein für eine Borderline-Station mit DBT-Programm (dialektisch behaviourale Therapie) gelegt. Geplant sind zudem ambulante Außenstellen in Kassel und in der Kreisklinik Hofgeismar.

Borderline-Störungen bedeuten ein Leben zwischen extremen Gefühlen. So war die 18. Hofgeismarer Psychiatrietagung überschrieben. Das Ziel der Tagung war der Aufbau des Borderline-Netzwerks. "Das große Interesse an der Tagung (mehr als 300 Anmeldungen) zeigt, wie aktuell und dringlich die Auseinandersetzung mit der nur wenig bekannten Krankheit ist. So auch die Einrichtung von Hilfsangeboten", stellte Pfarrer Dr. Georg Hofmeister, Leiter der Tagung, fest. Den Mangel daran bestätigte Bärbel Jung vom Verein Borderline Trialog Kassel als betroffene Angehörige. Die Initiatorin des Vereins sprach von einer fünfjährigen Odyssee auf der Suche nach einem Ansprechpartner.

Zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer Borderline-Störung, schätzte Dr. Michael Franz, Ärztlicher Direktor und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Merxhausen, die Zahl der Erkrankten. Dazu gehöre noch eine Dunkelziffer, da das Krankheitsbild komplex und deshalb schwierig zu diagnostizieren sei. Im Zentrum stehe jedoch die emotionale Instabilität.

"Die extremen Gefühle der Betroffenen lassen sich mit dem Satz 'Ich hasse dich, verlass mich nicht' beschreiben", erklärte der Mediziner. Unter anderem führten Intoleranz in der persönlichen Umgebung, Frustration, Versagenssituationen sowie soziales Scheitern zu einem großen Leidensdruck - auch für die Angehörigen. Es sei an der Zeit dem mit Hilfsangeboten von Klinik, ambulanten Anlaufstellen und speziell ausgebildeten, niedergelassenen Therapeuten zu entsprechen, so Franz.

Die Veranstaltung fand in einer Kooperation von Evangelischer Akademie Hofgeismar, Partner für psychisch Kranke im Landkreis Kassel, Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle - Gesundheitsamt Region Kassel und dem Zentrum für Soziale Psychiatrie Bad Emstal/Kassel am Samstag, dem 14. März 2009 statt.

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